Von Schuldenbremse auf Vollgas – was die Kehrtwende in der Fiskalpolitik für Deutschland bedeutet
Shownotes
Fünfmal so hoch wie der Doppelwumms – mit der Kehrtwende bei Schuldenbremse und Sondervermögen überrascht die Union ihre Wähler – und vielleicht sogar sich selbst.
In unserer Xpress-Folge mit Dr. Anton Fischer vom MEAG Research Team ordnen wir die neuesten Ereignisse für euch ein. Dabei geht es nicht nur um Mehrheitsfragen, sondern auch um die Implikationen für die Wirtschafts- und Innenpolitik.
Aus Marktsicht geht es unter anderem um diese Fragen:
- Ist eine Wachstumsprognose für 2026 von bis zu 5% realistisch?
- Was bedeutet der abrupte Zinsanstieg bei den Staatsanleihen?
- Warum ist ein diversifiziertes Portfolio jetzt so wertvoll?
Freut euch auf eine spannende Folge mit dem ein oder anderen Aha-Moment. Schickt gerne euer Feedback an info@meag.com, falls ihr mehr solche Themen oder andere Schwerpunkte wünscht.
Rechtlicher Hinweis: Diese Information dient Werbezwecken der MEAG MUNICH ERGO Kapitalanlagegesellschaft mbH. Die Informationen stammen von Quellen, die die MEAG als zuverlässig einschätzt. Die tatsächlichen Entwicklungen können wesentlich von den geäußerten Erwartungen abweichen. Die MEAG behält sich Änderungen der Einschätzungen vor und ist nicht verpflichtet, diese Informationen zu aktualisieren. Die Informationen sind nicht als Anlageberatung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht, und genügen nicht den Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlage(strategie-)empfehlungen. Es besteht kein Verbot für den Ersteller vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. MEAG übernimmt keine Haftung für einen unmittelbaren oder mittelbaren Schaden, der sich aus einer Verwendung dieser Veröffentlichung oder ihres Inhalts ergibt. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Weder die MEAG noch die mit ihr verbundenen Unternehmen, ihre Führungskräfte oder Beschäftigte übernehmen irgendeine Haftung für einen unmittelbaren oder mittelbaren Schaden, der sich aus einer Verwendung dieser Veröffentlichung oder ihres Inhalts ergibt. Diese Information wird von der MEAG MUNICH ERGO Kapitalanlagegesellschaft mbH ("MEAG"), München, zur Verfügung gestellt. Die MEAG ist eine Kapitalverwaltungsgesellschaft im Sinne des Kapitalanlagegesetzbuches. Sie verwaltet Publikumsinvestmentvermögen und Spezial-AIF mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten und erbringt die Finanzportfolioverwaltung für institutionelle Anleger, die nicht der Munich Re (Gruppe) angehören. Im Rahmen investmentrechtlicher Zulässigkeit kooperiert die MEAG eng mit der MEAG MUNICH ERGO AssetManagement GmbH. Diese ist ein reiner Konzern-Asset-Manager und erbringt die Finanz- und Immobilienportfolioverwaltung sowie die Anlageberatung ausschließlich für Unternehmen der Munich Re (Gruppe). Alle Rechte vorbehalten
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Soundbites: Und dann ist es tatsächlich mal konsequent, wenn man sich von den Sonntagsreden
Soundbites: verabschiedet und versucht Voraussetzungen dafür zu schaffen,
Soundbites: dass wir eine effektive Landesverteidigung haben.
Soundbites: Und das beginnt nun mal bei den Finanzen.
Soundbites: Wenn man also wirklich davon ausgeht, dass es so schnell umgesetzt wird,
Soundbites: wie jetzt angedeutet, ist der Effekt schon sehr groß, also für Volkswirte richtig groß.
Soundbites: Das letzte Mal, dass wir das gesehen haben in Deutschland, war,
Soundbites: als die Berliner Mauer gefallen ist.
Soundbites: Damit ist die Rentenmarktreaktion, also dieser starke Zinsanstieg,
Soundbites: denke ich, vollkommen gerechtfertigt.
Soundbites: Das ist auch in die richtige Richtung gegangen. Zinsen steigen,
Soundbites: der Euro nimmt mehr zu, die Aktien haben positiv reagiert.
Thomas: Herzlich willkommen zu dieser erneuten Express-Märkte-und-Trends-Ausgabe. Heute am 6. März 2025.
Thomas: Man kann durchaus sagen, auf der politischen Ebene überschlagen sich aktuell
Thomas: so wirklich die Ereignisse. Als Auslöser hatten wir das Fiasko im Oval Office,
Thomas: das Treffen zwischen Trump und Vice President J.D.
Thomas: Vance mit Zelensky bezüglich dem Frieden in der Ukraine, das etwas aus dem Ruder gelaufen ist.
Thomas: Und anschließend hatten wir große Beistandsbekundungen aus Europa für die Ukraine.
Thomas: Heute wollen wir jedoch nicht darauf schauen, was in Washington passiert ist,
Thomas: sondern nehmen die Reaktionen aus Deutschland genauer unter die Lupe.
Thomas: Das deutsche Whatever it takes.
Thomas: In Deutschland wird nun doch die Schuldenbremse angefasst und die Druckerpresse
Thomas: für Infrastrukturausgaben angeworfen.
Thomas: Die vermeintlich neue Regierung aus CDU, CSU und der SPD haben sich auf ein
Thomas: neues, großes Fiskalpaket geeinigt für Investitionen und schlagen auch gleichzeitig
Thomas: dann doch die Verfassungsänderung für die Anpassung der Schuldenbremse vor.
Thomas: Etwas, was wir genau vor einer Woche noch ausgeschlossen hatten.
Thomas: So ändern sich die Zeiten. Das ist vermutlich eine der bedeutendsten finanzpolitischen
Thomas: Entscheidungen der letzten Jahre in Deutschland. Darüber möchten wir heute sprechen
Thomas: und auch über die bereits jetzt schon historischen Auswirkungen auf den Finanzmarkt global.
Thomas: Mein Name ist Thomas Ott und ich freue mich heute wieder meinen Kollegen Dr.
Thomas: Anton Fischer an meiner Seite zu haben. Toni, herzlich willkommen.
Toni: Hallo Thomas, es bleibt sehr spannend.
Thomas: Toni, lass uns direkt starten. Wir haben die große Wende in der deutschen Finanzpolitik gesehen.
Thomas: War das jetzt wirklich dieser große Wurf, auf den alle gewartet haben und was
Thomas: genau plant die neue potenzielle, jetzt wahrscheinlich immer wahrscheinlicher
Thomas: werdende Regierung damit? Es werden ja unfassbar große Zahlen genannt, die hier im Raum stehen.
Thomas: Die Sprache ist von 500 Milliarden Euro, um das nochmal für alle einzuordnen,
Thomas: das etablierte Sondervermögen für die Bundeswehr war 100 Milliarden Euro.
Thomas: Also das Fünffache von der Zeitenwende, was hat es genau damit auf sich und
Thomas: für was soll das Geld ausgegeben werden?
Toni: Ja Thomas, es ist wirklich Zeitenwende 2.0, wenn man so will.
Toni: Eine große Wende in der deutschen Fiskalpolitik und der Geopolitik.
Toni: Englisch würde man sagen, it's huge.
Toni: Interessanterweise demonstriert jetzt Deutschland in einer Phase Handlungsfähigkeit
Toni: auf einer nationalen Ebene auch noch dazu koordiniert mit der EU,
Toni: weil heute finden ja auch der Verteidigungsgipfel in Brüssel statt.
Toni: Obwohl die Regierung noch nicht mal im Amt ist und es noch gar keinen Koalitionsvertrag gibt.
Toni: Also das ist wirklich groß, was da beschlossen worden ist. 500 Milliarden und
Toni: dann auch noch die Schuldenbremse.
Thomas: Ja, also das ist ja wirklich eigentlich der historische Part,
Thomas: der so ein bisschen untergeht. Wir befinden uns hier ja eigentlich in so einer,
Thomas: ja, in einer Übergangsphase.
Thomas: Wir haben keine wirklich aktive Regierung im Amt und dann kommt sowas Gigantisches auf uns zu.
Thomas: Am Ende ist das ja wirklich eine radikale Umkehr der deutschen Wirtschaftspolitik
Thomas: eigentlich der letzten 20 Jahre.
Thomas: Kann man ja sagen, eigentlich der Jahre seit Merkel und Schäuble,
Thomas: als es hier wirklich darum ging, die schwarze Null muss stehen.
Thomas: Also wirklich für uns, woher dieser radikale Sinneswandel, um nochmal hervorzuheben,
Thomas: auch für die Union, ist es ja eine schon dramatische Wende vom Wahlkampf her.
Thomas: Hier wurde eine Abkehr von der Schuldenbremse eigentlich ausgeschlossen und
Thomas: auch eine Aufweichung nach der Wahl noch ausgeschlossen, vor allem mit dem alten Bundestag.
Thomas: Woher dieser Sinneswandel wirklich?
Toni: Ja gut, ich denke, der Sinneswandel per se ist gar nicht so krass, wie er jetzt wirkt.
Toni: Es war schon im Vorfeld der Wahl absehbar, dass es eine große Koalition geben wird.
Toni: Vermutlich sowas wie ein Infrastrukturfonds kommt.
Toni: Aber auch die Bereitschaft von Friedrich Merz zu denkbaren Anpassungen an die
Toni: Schuldenbremse war schon erkennbar, auch wenn im CDU-Programm was anderes drin stand.
Toni: Aber hier sind es glaube ich tatsächlich die Summen, von denen wir sprechen,
Toni: also 500 Milliarden Schulden für Infrastruktur und letztlich unbegrenzte Möglichkeiten
Toni: bei den Verteidigungsausgaben.
Toni: Das ist wirklich ein Wandel, das ist schon von der Dimension her massiv.
Thomas: Ja, aber warum jetzt? Warum lässt man sich damit nicht doch etwas Zeit,
Thomas: bis der neue Bundestag im Amt ist?
Toni: Zum einen, was ja jetzt auch offen kommuniziert worden ist, ist natürlich die
Toni: Zweidrittelmehrheit im neuen Bundestag deutlich schwieriger zu gewährleisten.
Toni: Deswegen hat man es jetzt eilig, das noch im alten Bundestag zu machen.
Toni: Und zum anderen haben wir diese Ansprache von J.D. Vance bei der Sicherheitskonferenz
Toni: hier in München gehabt und jetzt über das Wochenende auch nochmal den Eklat
Toni: im Oval Office. Und beides hat dazu beigetragen, dass man sich in Europa gewissermaßen
Toni: alleingelassen fühlt von den USA hinsichtlich der Verteidigung.
Toni: Also wir sind auf uns selber gestellt.
Toni: Und dann ist es tatsächlich mal konsequent, wenn man sich von den Sonntagsreden
Toni: verabschiedet und versucht Voraussetzungen dafür zu schaffen,
Toni: dass wir eine effektive Landesverteidigung haben.
Toni: Und das beginnt nun mal bei den Finanzen. Da ändert es nicht.
Toni: Da gibt es also noch viel mehr zu tun, aber es beginnt bei den Finanzen.
Toni: Und das ist natürlich zum anderen auch ein großer Befreiungsschlag für die Koalitionsverhandlungen,
Toni: die jetzt gerade begonnen haben.
Toni: Wenn man im Haushalt eigentlich keine neuen Infrastrukturausgaben mehr einbauen
Toni: muss und auch die Verteidigungsausgaben nicht mehr unterbringen muss,
Toni: dann hat man natürlich sehr viel fiskalischen Spielraum gewonnen,
Toni: der dann für andere Projekte verwendet werden kann, zum Beispiel Steuersenkung.
Thomas: Naja, fairer Punkt. Du hattest es angesprochen. Ich glaube, man muss sie auch
Thomas: wirklich ein bisschen trennen.
Thomas: Es gibt ja zwei Pakete, über die wir wirklich sprechen. Also einmal dieses Infrastrukturprojekte
Thomas: für 500 Milliarden und dann eigentlich die Anpassung der Schuldenbremse für
Thomas: die Verteidigungsausgaben.
Thomas: Also alles, was über ein Prozent Verteidigungsausgaben sind,
Thomas: sind von der Schuldenregel herausgenommen. Und da ist jetzt wirklich einfach
Thomas: diese Zahl 500 Milliarden für die Infrastruktur.
Thomas: Wenn es darum ging, hier wirklich mal zu zeigen, dass die Politik in der Mitte
Thomas: handlungsfähig ist, dann glaube ich, hat man das wirklich hervorragend erreicht.
Thomas: Und darum lasst uns auch direkt mal eigentlich auf die Implikationen für die
Thomas: Wirtschaft blicken und auch für die Innenpolitik. Sicherlich,
Thomas: du hast es angesprochen, ein Problem ist vielleicht noch diese Umsetzung in
Thomas: der Kürze der Zeit mit dem alten Bundestag.
Thomas: Man hat nicht mehr lange diese Zweidrittelmehrheit im Bundestag und Bundesrat,
Thomas: also welche Hürden müssen jetzt hier schnell überwunden werden?
Toni: Na gut, zum einen muss das Gesetz eingebracht werden, das ist jetzt für nächste
Toni: Woche Donnerstag für die erste Lesung geplant, dann die anderen sollen schnell
Toni: hinterher folgen, sodass man vor dem neuen Bundestag theoretisch durch wäre
Toni: und das beschließen kann.
Toni: Dazu braucht man eine Mehrheit, da bräuchte man die Grünen auf jeden Fall dazu,
Toni: ohne die Grünen wird das nicht funktionieren.
Toni: Und dann gibt es ja auch noch das Phänomen, dass man den Bundesrat braucht.
Toni: Da wird es noch mal ein bisschen komplizierter, weil CDU, CSU und SPD nicht
Toni: so einfach über eine Bundesratsmehrheit verfügen. Das heißt,
Toni: auch da würde man die Grünen brauchen.
Toni: Und selbst mit den Grünen ist es dann noch zu wenig. Also muss dann am Ende
Toni: der Herr Söder die Freien Wähler überzeugen, da mitzustimmen.
Toni: Oder wir brauchen doch noch Support von Regierungen mit FDP-Mehrheit.
Toni: Das heißt, auch der Bundesrat muss noch überzeugt werden. Und dann hätte man das dadurch.
Toni: Von den Grünen würde ich schon erwarten, dass wir die Zustimmung kriegen.
Toni: Robert Habeck hat einen Wahlkampf genau in die Richtung gemacht.
Toni: Das wäre jetzt eigentlich verwunderlich, wenn wir im Bereich Verteidigungsausgaben
Toni: und Infrastruktur jetzt plötzlich von den Grünen eine Bremse kriegen.
Thomas: Dann lass uns lieber mal auf die Auswirkungen auf den Finanzmarkt schauen.
Thomas: Das interessiert vielleicht unsere Zuhörerinnen und Zuhörer auch etwas mehr,
Thomas: sowohl was kurzfristig schon passiert ist, aber auch langfristig.
Thomas: Vielleicht ein paar Worte meinerseits
Thomas: einfach, was wir jetzt wirklich die letzten Tage gesehen haben.
Thomas: Die deutschen Staatsanleihen, natürlich uns betrifft es ja am direktesten,
Thomas: sind um knapp über 30 Basispunkte, also 0,3 Prozentpunkte angesprungen.
Thomas: In Frankreich waren das knapp 50 Basispunkte, genauso wenig in Italien.
Thomas: Um mal diese Größenordnung wirklich einordnen zu können, auch auf einer historischen Ebene.
Thomas: Das letzte Mal, dass wir das gesehen haben in Deutschland, war,
Thomas: als die Berliner Mauer gefallen ist.
Thomas: Also das sind die Bewegungen, über die wir jetzt hier aktuell sprechen und auch im globalen Kontext.
Thomas: Wir haben Bewegungen oder Auswirkungen von diesen Entscheidungen auch in Japan gesehen.
Thomas: Auch die Zinsen haben sich massiv bewegt wegen dem, was bei uns passiert ist.
Thomas: Mal konkret, was heißt das jetzt auch wirklich für dich, Toni,
Thomas: mit Bezug auf die EZB, auf die Zinsen, mit Bezug auf das Wachstum?
Thomas: Wir haben heute auch die EZB-Sitzung.
Thomas: Ändert das noch was von den Erwartungen?
Thomas: Wir erwarten ja eigentlich einen 25-Basispunkte-Rückgang der Zinsen.
Thomas: Und was ist auch der Effekt für das Wachstum in Deutschland?
Toni: Ja kurz zur EZB, also ich glaube an der Sitzung heute wird das nichts mehr ändern.
Toni: Da rechnen wir mit 25 Basispunkten und das wäre überraschend, wenn sich das ändert.
Toni: Perspektivisch ist da natürlich was unterwegs. Also wenn man also wirklich davon
Toni: ausgeht, dass das so schnell umgesetzt wird, wie jetzt angedeutet,
Toni: ist der Effekt schon sehr groß.
Toni: Also für Volkswirte richtig groß.
Toni: Das IW hat geschätzt gestern in der Publikation, dass der Wachstumseffekt über
Toni: 5% liegen könnte in 2026. Ja.
Toni: Das ist vermutlich eine Schätzung eher am oberen Rand, zeigt aber schon,
Toni: mit was für starken Impulsen man rechnen muss.
Toni: Wenn wir jetzt mal diese 500 Milliarden, ich nenne es jetzt lieber Sonderschulden
Toni: als Sondervermögen, für zehn Jahre übersetzen, wären das im Durchschnitt 50 Milliarden pro Jahr.
Toni: Das sind dann schon mal mehr als ein Prozent des BIP. Das ist schon einiges.
Toni: Dass wenn man davon ausgeht, dass das Ziel bei den Verteidigungsausgaben jetzt
Toni: eher bei drei Prozent liegt, was ungefähr nochmal ein Prozent obendrauf machen
Toni: würde, sehen wir, dass wir jetzt schon locker da schon bei zwei Prozent sind.
Toni: Und wir wissen aber jetzt nichts zur zeitlichen Verteilung dieser Ausgaben.
Toni: Das heißt, und haben auch noch nicht unterstellt, dass es vielleicht jetzt mehr
Toni: Spielraum bei den normalen Haushaltsausgaben gibt, weil man einiges in diese Töpfe verlagert.
Toni: Aber die zwei Prozent sind schon einiges und jetzt hängt es davon ab,
Toni: Volkswetter arbeiten aber mit Multiplikatoren, was man da unterstellt.
Toni: Wenn man jetzt mal einen niedrigeren Multiplikator unterstellt von 0,5,
Toni: dann kann das schon so zu Wachstumsimpulsen in der Größenordnung von 0,5 bis
Toni: 2,5 Prozent vom Wachstum in 2026 führen.
Toni: Also da sind wir schon ordentlich unterwegs vom Impuls her und die Haupteffekte
Toni: würde ich jetzt nicht mehr für 25 erwarten, sondern für 26 und 27,
Toni: weil natürlich die Umsetzung auch immer eine ganze Reihe dauert.
Toni: Damit ist die Rentenmarktreaktion, also dieser starke Zinsanstieg,
Toni: denke ich, vollkommen gerechtfertigt.
Toni: Das ist auch in die richtige Richtung gegangen. Zinsen steigen,
Toni: der Euro nimmt mehr zu, die Aktien haben positiv reagiert.
Toni: Und jetzt kommt dann die Frage, wie stark geht es auf die Inflation?
Toni: Da müssen wir auch unterstellen, dass es Effekte gibt. Und das ist natürlich
Toni: etwas, was jetzt die Falken wieder unterstützen wird im EZB-Rat.
Toni: Das heißt, künftig für die nächsten Sitzungen, wenn dann das alles umgesetzt
Toni: wird, wird man da sicherlich deutlich vorsichtiger unterwegs sein.
Toni: Während wir also vorher darüber nachgedacht haben oder erwartet haben,
Toni: dass die Zinsen auch deutlich unterneutral gehen, weil das Wirtschaftswachstumsbild
Toni: zu schwach ist, müssen wir das nochmal überdenken.
Thomas: Also zusammengefasst, Wachstum sollten wir nach oben revidieren müssen.
Thomas: Das führt aber dazu, dass potenziell vielleicht in der Zukunft weniger Zinssenkungen
Thomas: kommen, also für 26, 27, aber für 25 wahrscheinlich eher wenig Effekte haben.
Thomas: Und du hattest es schon angesprochen, das Leid der Anleihen ist eigentlich die
Thomas: Freude der Aktien sozusagen.
Thomas: Soll heißen, die Anleihen haben klar die letzten Tage stark gelitten,
Thomas: berechtigt und ich teile deine Einschätzung dazu völlig. Auf der anderen Seite
Thomas: haben sich aber die Aktien eigentlich teils vor allem in Europa,
Thomas: vor allem in Deutschland massiv gefreut.
Thomas: Der DAX ist im letzten Monat um knapp 7% angesprungen, der MDAX,
Thomas: also die mittelständische Version davon ist um über 12% gesprungen.
Thomas: Wir haben hier dann natürlich auch Vorteile in einem diversifizierten Portfolio,
Thomas: weil die Anleihen fallen, die Aktien steigen und darüber habe ich eine gewisse
Thomas: natürliche Absicherung in einem Aktienanleihenportfolio.
Thomas: Was mir auch aufgefallen ist,
Thomas: ist die große Divergenz auf der Aktienseite zwischen den USA und Europa.
Thomas: Eine Divergenz, die wir jetzt seit Anfang des Jahres sehen, zugunsten von Europa endlich mal.
Thomas: Aber in den letzten Tagen hat sich das schon auch einfach nochmal wirklich massiv
Thomas: beschleunigt. Lass uns nochmal ganz kurz wirklich dann auch auf die internationalen Reaktionen schauen.
Thomas: Wir haben über die EU schon gesprochen, denn nicht nur Deutschland dreht den
Thomas: Geldhahn sozusagen auf.
Thomas: Auch die EU möchte die Schuldenregeln lockern.
Thomas: Erlaubt das dann sogar nochmal mehr Stimulus für die Wirtschaft?
Toni: Ja klar, auf Euro-Ebene ist es dann nochmal mehr. Also von der Leyen hat 800
Toni: Milliarden angekündigt, die heute diskutiert werden.
Toni: Davon sind 650 Milliarden für vier Jahre angedacht. Da muss man jetzt aber ein
Toni: bisschen aufpassen, dass es keine Doppelzählung gibt, weil das soll letztlich
Toni: nur den Spielraum bei der nationalen Ebene freimachen.
Toni: Wirklich neu sind 150 Milliarden als Kredite für einzelne Länder.
Toni: Das ist angedacht, muss aber noch kommen. Es ist nicht wirklich ganz neu,
Toni: weil die 800 Milliarden schon von unserer Außenministerin vor den Wahlen mal
Toni: kurz durchgesickert ist.
Thomas: Okay, also von der EU wird das einfach wirklich auch nochmal zusätzlich unterstützt.
Thomas: Da kann man ja dann eigentlich schon auch vorstellen, dass wahrscheinlich Deutschland,
Thomas: bevor sie sich jetzt da rausgetraut haben an die Presse, auch mal kurz mit Frankreich,
Thomas: mit Brüssel gesprochen haben.
Thomas: Ja, also da ist dann schon auch ein bisschen was zu sehen,
Thomas: sprich, dass wir hier jetzt halt nicht einfach wieder anfangen,
Thomas: gegeneinander zu arbeiten, sondern dass Deutschland auch sich wieder bewusst
Thomas: ist seiner Führungsrolle auch in Europa und das nicht nur Frankreich überlässt,
Thomas: sondern dass es hier wieder diese starke Achse zwischen Frankreich und Deutschland geben sollte.
Toni: Also ich denke, es war ein ganz starkes Signal der Handlungsfähigkeit zu einem
Toni: sehr ungewöhnlichen Zeitpunkt.
Toni: Normalerweise haben wir da den Lame-Duck-Effekt, dem wir unterstellen,
Toni: dass also gar nichts mehr geht.
Toni: Und damit signalisiert Merz natürlich schon eine Entscheidungsfähigkeit und
Toni: Kraft und wie du sagst gleichzeitig Kooperationsbereitschaft.
Toni: Und die Entscheidung ist nicht gegen Frankreich gefallen, sondern sicher im
Toni: Einverständnis. Und da haben wir auch schon die Signale, dass sie noch mehr
Toni: ausgeben wollen für Verteidigung.
Thomas: Ja, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, das war es schon wieder von uns in dieser Express-Ausgabe.
Thomas: Wir haben sehr viele Themen heute besprechen können.
Thomas: Die Welt bleibt spannend und ich hoffe, Sie bleiben interessiert an dem,
Thomas: was wir Ihnen alles beitragen können und wünsche Ihnen bis dahin,
Thomas: bis zur nächsten Ausgabe. Alles Gute aus München.
Toni: Tschüss.
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