Warum Europa für Anleger spannend bleibt
Shownotes
Eigentlich begann 2025 sehr vielversprechend. Denn gerade in den ersten Monaten überflügelte Europa überraschend den Klassenprimus USA. Warum sich das Blatt wieder gewendet hat? Gemeinsam mit Special Guest Jörg Hoppe aus dem MEAG Aktienteam Europa blicken wir einmal genauer auf Europa und Deutschland.
In Deutschland konnten der DAX und MDAX historisch zulegen – mehr als 20 Prozent ging es in diesem Jahr hoch. Getrieben war der Zuwachs vor allem von den KI-Hoffnungen der Industrie sowie den Fiskalpaketen, die strukturelle Änderungen für langfristige Wachstumschancen ermöglichen. Welche Faktoren könnten jetzt Investitionen im großen Stil freisetzen?
Außerdem geht es in dieser Folge um folgende Fragen:
- KI-Hype: Deuten die hohen Bewertungen auf eine beginnende Blase hin?
- USA: Lässt sich die FED zu weiteren Zinssenkungen hinreißen?
- Portfolio-Mix: Bleiben Anleihen für Anleger weiterhin interessant?
Viel Spaß mit der neuen Folge. Falls ihr Anregungen oder Feedback habt, schickt uns gerne eine E-Mail an: info@meag.com.
Rechtlicher Hinweis: Diese Information dient Werbezwecken der MEAG MUNICH ERGO Kapitalanlagegesellschaft mbH. Die Informationen stammen von Quellen, die die MEAG als zuverlässig einschätzt. Die tatsächlichen Entwicklungen können wesentlich von den geäußerten Erwartungen abweichen. Die MEAG behält sich Änderungen der Einschätzungen vor und ist nicht verpflichtet, diese Informationen zu aktualisieren. Die Informationen sind nicht als Anlageberatung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht, und genügen nicht den Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlage(strategie-)empfehlungen. Es besteht kein Verbot für den Ersteller vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. MEAG übernimmt keine Haftung für einen unmittelbaren oder mittelbaren Schaden, der sich aus einer Verwendung dieser Veröffentlichung oder ihres Inhalts ergibt. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Weder die MEAG noch die mit ihr verbundenen Unternehmen, ihre Führungskräfte oder Beschäftigte übernehmen irgendeine Haftung für einen unmittelbaren oder mittelbaren Schaden, der sich aus einer Verwendung dieser Veröffentlichung oder ihres Inhalts ergibt. Diese Information wird von der MEAG MUNICH ERGO Kapitalanlagegesellschaft mbH ("MEAG"), München, zur Verfügung gestellt. Die MEAG ist eine Kapitalverwaltungsgesellschaft im Sinne des Kapitalanlagegesetzbuches. Sie verwaltet Publikumsinvestmentvermögen und Spezial-AIF mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten und erbringt die Finanzportfolioverwaltung für institutionelle Anleger, die nicht der Munich Re (Gruppe) angehören. Im Rahmen investmentrechtlicher Zulässigkeit kooperiert die MEAG eng mit der MEAG MUNICH ERGO AssetManagement GmbH. Diese ist ein reiner Konzern-Asset-Manager und erbringt die Finanz- und Immobilienportfolioverwaltung sowie die Anlageberatung ausschließlich für Unternehmen der Munich Re (Gruppe). Alle Rechte vorbehalten
Transkript anzeigen
Jörg: Ja, wir sind auf höheren Bewertungen. Es ist noch nicht so extrem wie damals
Jörg: im Jahr 2000, wo Unternehmen teilweise ja gar keine Gewinne gemacht haben und
Jörg: trotzdem jeden Tag gestiegen sind.
Thomas: Für Anleger war das erste Halbjahr, muss man schon ehrlich sagen,
Thomas: oder auch jetzt bis in den August, wirklich fantastisch.
Jörg: Solange das Wachstum in den USA und Europa positiv bleibt und der Arbeitsmarkt
Jörg: auch stabilisiert ist, glauben wir auch, dass es an den Märkten zu keinen größeren Einbrüchen kommt.
Thomas: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Märkte und Trends am 21. August 2025.
Thomas: Mein Name ist Thomas Ott und ich freue mich heute, einen besonderen Gast an meiner Seite zu haben.
Thomas: Bei mir ist nämlich mein sehr geschätzter und erfahrener Kollege Jörg Hoppe
Thomas: aus dem Aktienteam Europa.
Thomas: Jörg, schön, dass du da bist. Ich freue mich auf das Gespräch und auf den spannenden Austausch.
Jörg: Hallo Thomas, danke für die Einladung erstmal. Ich freue mich natürlich auch
Jörg: sehr, dass ich heute hier sein darf und freue mich auf eine angenehme Diskussion.
Thomas: Jörg, lass uns direkt mit Aktien beginnen. 2025 war bisher ein Jahr der zwei
Thomas: Hälften. In den ersten vier Monaten bis etwa zum sogenannten Liberation Day
Thomas: war Europa klar im Vorteil und hat die USA sogar deutlich übertroffen.
Thomas: Seitdem hat sich das Bild allerdings komplett gedreht und inzwischen liegen
Thomas: beide Märkte eigentlich wieder nahezu gleich auf.
Thomas: Woran liegt dieser Wechsel? Warum sehen wir dieses Jahr der zwei Hälften bisher?
Jörg: Ja Thomas, wie du schon erwähnt hast, also zu Jahresanfang kam es in den USA
Jörg: zu viel Unsicherheiten.
Jörg: Hat natürlich mit der Amtseinführung von Herr Trump zu tun und er hat ja gleich
Jörg: am Anfang mit viel Diskreten im Prinzip Sachen angestoßen und das hat wie gesagt
Jörg: diese Unsicherheit ausgelöst.
Jörg: Man wusste einfach nicht mehr so richtig, wo es hingeht, was alles geändert
Jörg: werden soll und Anleger fürchten nichts mehr als Unsicherheit.
Jörg: Dementsprechend kam es zu Umschichtungen raus aus den USA, rein nach Europa
Jörg: und die Effekte hat man am Aktienmarkt halt auch dann dementsprechend gesehen.
Jörg: Hinzu kam noch, dass wir in Europa dann durch Deutschland mit ausgelöst Stimuluspakete bekommen haben.
Jörg: In Deutschland gab es eine neue Regierung, auch hier ein bisschen Zuversicht,
Jörg: dass man einen anderen Führungsstil kriegt und Europa ein bisschen an Stärke gewinnt.
Jörg: Und das hat dazu geführt, wie gesagt, dass wir hier Europa besser gesehen haben als die USA.
Jörg: Und seit dem Frühjahr jetzt dann auch haben wir gesehen, dass diese Unsicherheit
Jörg: wieder abnimmt, also die Zölldiskussion war da,
Jörg: aber wir haben auch gesehen, dass Deals gemacht werden und mit diesem Eingestehen
Jörg: von Deals ist die Unsicherheit gesungen und dementsprechend auch USA zurück
Jörg: auf der Weltbühne, was Aktienmarkt anbelangt und die Outperformance USA gegen Europa wieder.
Thomas: Ja, das macht Sinn. Kann ich völlig nachvollziehen. Bleiben wir trotzdem noch
Thomas: mal ganz kurz bei den USA.
Thomas: Vor allem letztes Jahr ist ja dann auch eigentlich dieser große AI-Hype,
Thomas: also künstlicher Intelligenz-Hype so richtig ausgebrochen.
Thomas: Bleiben oder sind weiterhin diese Tech-Giganten und diese KI-Pioniere,
Thomas: wie man sie jetzt nennen kann, möchte,
Thomas: weiterhin auch die Haupttreiber für die USA und ist da nicht auch inzwischen
Thomas: so ein gewisses Risiko, was man einfach sagen muss oder sehen kann aufgrund der hohen Bewertungen.
Thomas: Ich habe jetzt diese Woche auch gelesen, Intel hat wieder eine Bewertung,
Thomas: wie wir es damals zur Dotcom-Bubble eigentlich gesehen haben.
Thomas: Also sind wir in einer Blase, auch Sam Altman ja von OpenAI oder der Gründer,
Thomas: sag ich jetzt mal, von ChatGBT hat ja auch was in diesem Bereich angestoßen.
Thomas: Sind wir in einer Blase oder ist das jetzt so ein bisschen einfach mal zu viel
Thomas: Furcht im Markt, was Bewertungen angeht?
Jörg: Also es ist immer schwierig zu sagen, wann genau die Blase beginnt und wann
Jörg: sie endet. Wir sind auf jeden Fall in einer gewissen Euphorie,
Jörg: das kann man anders nicht sagen.
Thomas: Aber Euphorie ist ja nichts Schlechtes.
Jörg: Euphorie ist nichts Schlechtes und das sehen wir ja auch. Wie gesagt,
Jörg: die Kurse laufen weiter von diesen künstlichen Intensanbietern,
Jörg: gerade von den Infrastrukturplayern, die hier diese Technologie bereitstellen.
Jörg: Also von daher, aber so etwas kann lange dauern auch und kann lange laufen,
Jörg: solche Wachstumstrends. Wir glauben weiterhin, dass es der Wachstumsmotor ist.
Jörg: Wir haben es auch in den Quartalszahlen jetzt gesehen, gerade für das zweite
Jörg: Quartal, dass die Unternehmen, die hier in diesem künstlichen Intelligenzthema
Jörg: dabei sind, insbesondere die Infrastruktur zur Verfügung stellen, also Datencenter,
Jörg: stark davon profitieren und gute Zahlen abgeliefert haben und daraufhin auch
Jörg: die Kurse nochmal angezogen sind.
Jörg: Die Bewertung, die du schon angesprochen hast, ja, wir sind auf höheren Bewertungen.
Jörg: Es ist noch nicht so extrem wie damals im Jahr 2000, wo wir sich viele noch
Jörg: daran zurückerinnern können, wo Unternehmen teilweise ja gar keine Gewinne gemacht
Jörg: haben und trotzdem jeden Tag gestiegen sind.
Jörg: Hier reden wir von Unternehmen, die massive Gewinne machen und auch extrem viel
Jörg: Geld dabei verdienen und Cash haben.
Jörg: Also es ist nicht zu vergleichen mit dem Jahr 2000.
Thomas: Wollte ich jetzt auch gerade sagen. Also es ist eigentlich jetzt,
Thomas: die Situation ist schon eine andere.
Thomas: Damals kein Gewinn, jetzt Gewinn. Also diese beiden Phasen zu vergleichen,
Thomas: ist eigentlich schon auch unfair so ein bisschen.
Jörg: Absolut, sehen wir auch so. Deswegen bleiben wir doch auch weiter investiert
Jörg: und halten es für einen interessanten Bereich.
Jörg: Und ich glaube, die wirklichen Auswirkungen haben wir noch gar nicht gesehen
Jörg: von Künstlicher Intelligenz, weil das ist dann, wenn im Prinzip wir es quasi
Jörg: überall anwenden und dadurch die Produktivitätsgewinne kommen,
Jörg: wir alle irgendwie schneller arbeiten, besser arbeiten, die Ergebnisse besser
Jörg: sind, wie gesagt produktiver werden.
Jörg: Und dann ist so etwas auch dann für die breite Wirtschaft interessant und wird
Jörg: sich auch für alle auszahlen.
Jörg: Jetzt ist es wie gesagt sehr spezifisch nur für Einigungsunternehmen.
Thomas: Lass uns das mal zurückstellen. Du hattest häufiger auch jetzt die Gewinner
Thomas: von den Infrastrukturinvestments für AI.
Thomas: AI angesprochen und ich finde, das leitet uns schon auch so ein bisschen sehr
Thomas: gut nach Europa eigentlich rüber, weil wir hier natürlich auch viele Unternehmen
Thomas: haben, die davon profitieren können in diesem Bereich.
Thomas: Also schauen wir darum jetzt ruhig mal nach Europa und auch speziell nach Deutschland.
Thomas: Für Anleger war das erste Halbjahr, muss man schon ehrlich sagen,
Thomas: oder auch jetzt bis in den August wirklich fantastisch.
Thomas: DAX und MDAX, also beide deutschen Leitindizes für die großen und für die mittelständischen
Thomas: Unternehmen mit mehr als 20 Prozent zugelegt dieses Jahr.
Thomas: Wirklich fast historisches Ergebnis.
Thomas: Wirklich jetzt nochmal hier die Frage, woran lag das und hat das jetzt Potenzial
Thomas: auch tatsächlich weiterzugehen, vielleicht nicht unbedingt mit 20 Prozent,
Thomas: aber dass da wirklich auch eine Euphorie für Deutschland und für Europa entsteht?
Jörg: Ja, also wie du schon gesagt hast, eine sehr, sehr freuliche Entwicklung,
Jörg: die wir hier gesehen haben, insbesondere in Deutschland.
Jörg: Und das war getrieben von den Industrieunternehmen, die auch von diesem Infrastrukturaufbau
Jörg: in der künstlichen Intelligenz profitieren.
Jörg: Also Unternehmen wie in Europa, wie Siemens, Schneider, Lecron,
Jörg: die also massiv diese Datencenter ausrüsten mit Equipment, konnten alle profitieren
Jörg: von solchen Geschichten.
Jörg: Und dann haben wir natürlich auch schon Vorschusslorbeeren, du hast es angesprochen,
Jörg: Fiskalpakete, die hier in Deutschland gerade auf den Weg gebracht worden sind,
Jörg: Infrastruktur, Verteidigungspakete,
Jörg: all das wird natürlich am Ende in die Wirtschaft fließen, dieses Geld und dafür
Jörg: sorgen, dass wir hier bessere Wachstumsaussichten haben.
Jörg: Von der Sache her, warum Deutschland gerade so stark profitieren konnte,
Jörg: muss man sagen, wir haben in Deutschland natürlich auch ein starkes Gewicht
Jörg: in der Industrie und weniger konsumlastige Unternehmen wie vielleicht dem Eurostox vertreten sind.
Jörg: Das hat hier auch sehr geholfen, der Outperformance Deutschland gegen den anderen europäischen Märkten.
Thomas: Jörg, das klingt ja wirklich für langfristige Investoren eigentlich schon positiv,
Thomas: weil das sind ja strukturelle Änderungen, die wir jetzt hier irgendwo sehen,
Thomas: die ja dann auch langfristig den Markt unterstützen sollte.
Thomas: Jetzt nicht nur einmalig für ein Jahr und ja, das ist ja eigentlich ein super, super Ausblick.
Thomas: Besonders aber dann natürlich auch die Frage, was beunruhigt dich oder was würde
Thomas: dich jetzt zum Beispiel beunruhigen?
Thomas: Auf welche Indikatoren schaust du gerade eben, wenn es darum geht,
Thomas: vielleicht auch mal eine Schwächephase abzupassen?
Thomas: Du hast ja am Anfang gesagt, Indiz ist teilweise mit 20 Prozent ab dieses Jahr.
Thomas: Das ist natürlich deutlich über den historischen Durchschnitten.
Thomas: Also was könnte jetzt hier vielleicht auch mal auf der negativen Seite den Markt beunruhigen?
Jörg: Also Bewertungen, wie du angesprochen hast, sind natürlich hoch und sind gestiegen
Jörg: in den letzten Monaten am Aktienmarkt.
Jörg: Allerdings ist Bewertung nicht der richtige Indikator, um Wendepunkte am Aktienmarkt
Jörg: ausfindig zu machen, sondern am Ende ist es schon immer wieder die Sicht auf
Jörg: Wachstum hier in den großen Märkten, USA, Europa.
Jörg: Also was haben wir für Wachstumserwartungen in diesen Märkten immer auf die
Jörg: nächsten sechs bis zwölf Monate und das sind die treibenden Faktoren am Ende für den Aktienmarkt.
Jörg: Solange das Wachstum in den USA und Europa positiv bleibt und der Arbeitsmarkt
Jörg: auch stabilisiert ist und nicht zur Schwäche neigt, glauben wir auch,
Jörg: dass es an den Märkten zu keinen größeren Einbrüchen kommt.
Thomas: Dann wechseln wir doch jetzt mal zur Rubrik Wirtschaft. Du hast es angesprochen,
Thomas: globale Wirtschaftszahlen sind auch für mich hier wirklich entscheidend aktuell.
Thomas: Vor allem für mich der Arbeitsmarkt in den USA, ich nenne es jetzt mal bewusst
Thomas: dieser zentrale Risikofaktor. Also Anfang August haben wir wirklich ein Datenfeuerwerk gesehen.
Thomas: Viele wichtige Indikatoren sind neu publiziert worden.
Thomas: Zunächst überraschte das BIP, also das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal
Thomas: mit drei Prozent wirklich sehr positiv.
Thomas: Leider darauf, kurz darauf, wirklich eigentlich ein eher schwacher Arbeitsmarkt,
Thomas: vor allem auch mit drastischen Revisionen nach unten.
Thomas: Und das hat die Märkte dann wirklich verunsichert.
Thomas: Seither haben sich die Zahlen wiederum stabilisiert.
Thomas: Aber die Nervosität am Markt bleibt, darum würde ich das schon wirklich völlig unterschreiben.
Thomas: Wenn der Arbeitsmarkt hier ein bisschen weiter Schwäche zeigt,
Thomas: zurückgeht, wenn die Löhne sinken oder das Wachstum der Löhne,
Thomas: muss man ja fairerweise sagen, sinken würden oder die Arbeitslosenzahlen nach oben gehen.
Thomas: Das glaube ich ist wirklich das, was den Markt aktuell am meisten beunruhigt.
Thomas: Das sehen wir noch nicht nachhaltig, aber ist für mich auch der entscheidende Faktor hier aktuell.
Jörg: Genau, also im Prinzip sind das genau die Faktoren, die sich die FED genauer anschaut.
Jörg: Jeden Monat da im Prinzip immer wieder sich die Daten anschaut,
Jörg: den Datenkranz, wie man so schön sagt und schaut, ob man die Zinsen senken muss
Jörg: in den USA insbesondere.
Jörg: In Europa sind wir da schon weiter, da haben wir schon mehrere Zinssenkungen
Jörg: gesehen, aber aktuell geht es vor allem in den USA darum, was die Zinsen machen
Jörg: und hier ist es, wie du schon angesprochen hast, die Zölle vor allem,
Jörg: also was haben die Zölle für eine Auswirkung auf die Inflation.
Jörg: Bei der FED sind zwei Punkte extrem entscheidend.
Jörg: Das ist einmal die Inflation und das andere der Arbeitsmarkt.
Jörg: Das sind die beiden Hauptfaktoren und alle Entscheidungen, die sie treffen,
Jörg: basieren sie immer wieder auf diesen beiden Märkten oder auf diesen Kennzahlen,
Jörg: die sie im Griff behalten müssen.
Jörg: Und wie gesagt, diese Zollauswirkungen sind einfach momentan schwer abzusehen,
Jörg: was sie für Inflation bedeuten und deswegen ist die FED hier eher zurückhaltend,
Jörg: was Zinssenkung anbelangt aktuell.
Jörg: Die Arbeitsmarktdaten geben noch kein klares Bild, aber sobald sich hier eine
Jörg: Schwäche anzeigen würde, würde die FED auch reagieren.
Thomas: Ja, ich glaube, da ist das vielleicht auch interessant. Wir hatten es ja jetzt
Thomas: einmal kurz angesprochen, dieser schwache Arbeitsmarkt vom August.
Thomas: Daraufhin sind ja viele Investoren direkt darauf angesprungen und haben gesagt,
Thomas: ja, Vett hat jetzt ein Policy Mistake, also Fehlentscheidungen getroffen,
Thomas: muss im nächsten Meeting 50
Thomas: Basispunkte cutten, also einen halben Prozentpunkt die Zinsen reduzieren.
Thomas: Da wird es jetzt spannend, was diese Woche passiert. Es beginnt auch wieder
Thomas: das alljährliche Meeting der Zentralbanken in Jackson Hole.
Thomas: Obwohl ich persönlich halte diese 50 Basispunkte für den September als deutlich
Thomas: überzogen, sondern würde eher mal davon ausgehen, dass es 25 Basispunkte werden.
Thomas: Also ein Cut sozusagen, genauso wie es auch die Europäer immer gemacht haben.
Thomas: Und dann schaut man sich wieder an, wie die Wirtschaft sich entwickelt,
Thomas: wie der Arbeitsmarkt, die Inflation sich entwickelt.
Thomas: Interessanter ist wahrscheinlich eher sowieso dann das Jahr 2026,
Thomas: wie viel Spielraum die FED dann in 2026 tatsächlich noch hat.
Thomas: Denn die wahren Effekte der Zölle werden wahrscheinlich längerfristig sein oder
Thomas: werden länger brauchen, um sich in den Zahlen wiederzuspiegeln,
Thomas: wie Inflation und Wachstum.
Thomas: Und das sehen wir dann eben erst nächstes Jahr.
Thomas: Aktuell geht die FED davon aus, dass die Zolleffekte vor allem transitory sind, also vorübergehend.
Thomas: Diesen Begriff kennen wir aus der Post-Corona-Zeit sehr, sehr gut.
Thomas: Damals lag jede Zentralbank mit dieser Einschätzung völlig falsch, drastisch daneben.
Thomas: Wir können eigentlich jetzt schon nur so ein bisschen hoffen,
Thomas: dass es dieses Mal wirklich ist.
Thomas: Die Situationen sind auch nicht vergleichbar post Corona mit den Zöllen.
Thomas: Aber es bleibt natürlich vor allem für 26 einfach ein Unsicherheitsfaktor und
Thomas: das beschäftigt die Märkte. Und schauen wir noch einmal ganz kurz zurück auf Europa.
Thomas: Du hast es ja angesprochen, Wachstum ist jetzt wieder auch stärker einfach in
Thomas: den USA. Wir hatten auch vorhin angesprochen, diese Fiskalpakete, Investments.
Thomas: Ist das auch einfach was, wo du jetzt sagen würdest, diese Fiskalpakete können
Thomas: auch strukturell dazu führen, dass Europa auch mal stärker wächst als die USA?
Thomas: Oder was müsste sich tun, dass wir auch zumindest mal dieses Wachstumsgap,
Thomas: also diese Differenz einengen können und Europa hier aufholen können?
Jörg: Genau, also stärker wachsen glaube ich nicht ehrlich gesagt.
Jörg: Das ist doch ein großes Gap, was wir zwischen Europa und den USA aktuell haben,
Jörg: was das Wachstum anbelangt.
Jörg: Und von der Struktur her auch haben die Amerikaner einfach ein besseres Umfeld für Wachstum.
Jörg: Das muss man einfach so sagen und auch die nächsten Jahre hin.
Jörg: Die Infrastrukturmaßnahmen, die getroffen sind, Infrastrukturfonds im Prinzip,
Jörg: das sind langfristige Investitionen, dann kommen jedes Jahr 50 Milliarden ungefähr,
Jörg: die hier in die deutsche Infrastruktur reinfließen und auch der Verteidigungsfonds
Jörg: im Prinzip wird langfristig investiert.
Jörg: Grundsätzlich hilft es aber, es unterstützt einfach, es gibt einen Impuls und
Jörg: dieser Impuls hoffentlich trägt halt Früchte,
Jörg: sodass die Unternehmen wieder investieren, mehr Kapazitäten aufbauen und wir
Jörg: hier im Prinzip so einen Kreis anstoßen, der sich dann hoffentlich selbst beschleunigt
Jörg: und zu einer Belebung führt.
Jörg: Viel wichtiger als die Fiskalpakete, die hier geschlossen worden sind,
Jörg: halte ich allerdings den Bürokratieabbau,
Jörg: weil das ist wirklich gerade in Deutschland verhindern, was hier passiert ist,
Jörg: die letzten zehn Jahre im Prinzip diese ausuferenden Gesetzeslagen,
Jörg: Bürokratie ohne Ende und wenn man hierher vorankommt und einen Abbau nimmt,
Jörg: dann glaube ich kann das extrem viele Investitionen freisetzen,
Jörg: die dann zu mehr Wachstum führen,
Jörg: allerdings ist es noch verfrüh zu sagen, ob wir da auf dem richtigen Weg sind.
Jörg: Ich glaube, es gibt gute Impulse, aber wir sind da noch nicht lange nicht am Ende.
Thomas: Ja, da bin ich hundertprozentig bei dir. Diese Zinsverengungen helfen kurzfristig,
Thomas: aber der wirkliche Bremser ist der Bürokratieabbau oder die übermaßende Bürokratie
Thomas: und ein Abbau würde helfen.
Thomas: Das haben wir im Podcast auch schon mehrmals besprochen.
Thomas: Bleibt also weiterhin einfach ein Topic. Jörg, bevor wir abschließen,
Thomas: wollte ich noch einmal ganz kurz auch auf die Anleihen eingehen.
Thomas: Bei Anleihen bleibe ich persönlich dabei, dass es ein sehr wichtiger Bestandteil
Thomas: ist in einem breit diversifizierten Portfolio.
Thomas: Wir bevorzugen weiterhin kurzlaufende Titel, vor allem, weil sie einfach weniger
Thomas: volatil sind und weniger anfällig sind für fiskalische Belastungen durch diese
Thomas: großen Ausgabenpakete.
Thomas: Unternehmensanleihen ist ein bisschen differenzierterer Blick inzwischen,
Thomas: Weil die Risikoprämien einfach inzwischen sehr, sehr niedrig sind.
Thomas: Noch bin ich positiv, aber viel enger können einfach diese Risikoprämien bei
Thomas: Unternehmensanleihen kaum werden.
Thomas: Langfristig bleibt die Erste Klasse allerdings dennoch interessant,
Thomas: weil die Anleger können davon profitieren, können diese vereinnahmen.
Thomas: Aber aktuell, glaube ich, ist dieser Zusatzertrag, den man darüber generieren
Thomas: kann, vielleicht eher geringer.
Thomas: Damit sind wir schon wieder am Ende unseres Gesprächs angekommen.
Thomas: Jörg, vielen Dank dir für die spannende Einblicke auch in den Aktienmarkt,
Thomas: vor allem Deutschland und Europa und den Ausblick, den wir besprochen haben.
Thomas: Es war einmal mehr kein ruhiger Sommer, sondern einer mit viel Bewegung und
Thomas: wir blicken auch gespannt auf die nächsten Arbeitsmarktdaten Anfang September
Thomas: und hoffen, dass der Markt bis dahin weiter stabil bleiben kann.
Thomas: Jörg, nochmals vielen Dank für deine Einblicke.
Jörg: Sehr gerne, Thomas.
Thomas: Das war Märkte und Trends im August 2025. Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
Thomas: vielen Dank fürs Zuhören.
Thomas: Wir freuen uns, wenn Sie auch wieder nächsten Monat einschalten werden.
Thomas: Und wie immer, wenn Sie Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob haben,
Thomas: bitte zögern Sie nicht und schreiben Sie uns jederzeit.
Neuer Kommentar